LTE: Nach flottem Anfang zögerlicher Ausbau

Österreich hat den Ehrgeiz in Sachen Mobilfunk ganz vorne mit dabei zu sein – das ist auch bei LTE nicht anders. Schon zwei Betreiber können größere Teilnetze vermelden.

A1 Telekom Austria bietet LTE in Wien und St. Pölten;  T-Mobile Austria hat Innsbruck mit der neuen Datenfunktechnologie aufgerüstet.

Drei will LTE noch 2011 kommerziell starten und dann im Jahr 2012 sein Netz  mit LTE weiter ausbauen, derzeit setzt man erst einmal auf den UMTS-Ausbau mit HSPA+, das schon mal 42 Megabit pro Sekunde bringen soll. Orange hält sich einstweilen bedeckt – bis LTE ein Massenprodukt wird.

Mit der Versteigerung startet das Rennen im LTE-Ausbau

Das Rennen um den schnellsten LTE-Ausbau in Österreich ist eröffnet und das Land will – wie schon beim UMTS-Ausbau, in Europa eine führende Rolle spielen:  Am 20. September 2010 wurden die Frequenzen im 2,6 Megahertz-Bereich für den LTE-Ausbau in Österreich vergeben. Marktführer A1 (Telekom Austria) zahlte 13,2 Millionen Euro für  2 mal 20 Megahertz im gepaarten und 25 Megahertz im ungepaarten Bereich. T-Mobile  legte 11,2 Millionen Euro für 2 mal 20 MHz im gepaarten Bereich hin. Der Viertgrößte Mobilfunkbetreiber Drei  (Hutchison 3G Austria GmbH) gab 11 Millionen Euro für 2x20 MHz im gepaarten und 25 MHz im ungepaarten Bereich aus, der drittgrößte Anbieter Orange nur 4 Millionen Euro für 2x10 MHz im gepaarten Bereich.

Nun haben die vier Wettbewerber bis 31. Dezember 2013 Zeit, dann müssen sie im Frequenzbereich von 2,6 Megahertz ein Netz aufgebaut haben, das mindestens 25 Prozent der österreichischen Bevölkerung versorgt.

A1 Telekom Austria

Die A1 Telkom Austria startete ihr LTE-Netz im Oktober 2010 in Wien und der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten. In Wien erreicht man, eigenen Angaben zufolge,  30 Prozent der Bevölkerung, doch erste Tests waren nicht sonderlich begeisternd – die Abdeckung ist lückenhaft und die Versorgung in Gebäuden nicht ganz so gut. Der LTE-Ausbau in anderen Ballungsgebieten sei in Planung, hieß es damals. Seither hat man davon nicht mehr viel gehört.

A1-Finanzchef Hans Tschuden hatte schon vorher auf die Spaßbremse getreten: HSPA+ reiche erst mal, der LTE Ausbau werde teurer, also würden noch einige Jahre bis zum großflächigen Ausbau vergehen.

Auf dem Lande wartet A1 ohnehin erst einmal ab, bis die 800-Megahertz-Frequenzen aus der Digitalen Dividende freigegeben werden. Erst dann, da scheinen sich alle österreichischen Mobilfunk-Betreiber einig, kann man über den Ausbau von LTE auf dem Lande nachdenken.

T-Mobile Austria: Erstes Netz in Innsbruck

T-Mobile Austria startete zeitgleich im Oktober 2010 das erste LTE-Netz in Innsbruck (Tirol). Die Tester des Webstandard vermeldeten dort im April 2011 Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 Megabit pro Sekunde – allerdings waren zu diesem Zeitpunkt gerade mal 20 Kunden im LTE-Netz  unterwegs. Als nächstes sollen nun die LTE-Netze in der Hauptstadt  Wien, sowie in den Landeshauptstädten Graz (Steiermark) und Linz (Oberösterreich) aufgebaut werden, so der Webstandard, das Internetportal der österreichischen Wirtschaftszeitung „Der Standard“.

T-Mobile Austria will von 2011 bis 2014 etwa eine halbe Milliarde Euro in den Netzausbau investieren, das LTE-Projekt wird zusammen mit dem chinesischen Ausrüster Huawei angegangen.

Drei will schnell auf LTE aufrüsten

Schon im Vorfeld hatte der Mobilfunkanbieter Drei (Hutchison 3G Austria) den bundesweiten Ausbau seines Mobilfunknetzes mit LTE angekündigt, die Firma arbeitet mit dem finnisch-deutschen Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks.  Man werde ab 2011 technisch in der Lage sein, den Kunden im gesamten Netz LTE mit Übertragungsgeschwindigkeiten von über 100 Megabit pro Sekunde  anzubieten.

Mittlerweile hat man das ehrgeizige Projekt deutlich nach hinten verschoben und rüstet erst einmal das UMTS-Netz mit HSPA+ auf. Mit LTE will Drei aber schon 2011 an den Markt, zuerst einmal in Wien „sobald es erschwingliche Modems gibt“ so erklärte drei-Chef Jan Trionow dem Online-Portal WebStandard. Erst einmal wird LTE in Wien getestet.

LTE-Ausbau bei Orange muss noch warten

Der Mobilfunkbetreiber Orange hält sich in Österreich auffallend zurück. Medienberichten zufolge wird er zunächst sein Netz mit HSPA+ aufrüsten. Im Frühjahr 2010 kündigte das Unternehmen an, erst einmal netzweit   bis zu 21 Megabit pro Sekunde anzubieten, die Verdoppelung der Bandbreite  auf 42 Megabit pro Sekunde soll dann folgen.

Beim LTE-Ausbau wird man sich Zeit lassen. Denn erstens will man abwarten, bis neben der 2600-Megahertz-Frequenz andere für den ländlichen Ausbau besser geeignete Wellenlängen und bis zweitens genügend LTE-fähige Endgeräte zur Verfügung stehen. LTE will man deshalb erst im Laufe des Jahres 2012 kommerziell nutzen.