UMTS in Österreich: Erster in Europa

Im November 2000 wurden die UMTS-Frequenzen in Österreich vergeben. Und verglichen mit Deutschland gab es die Lizenzen für den schnellen Datenfunk zu einem Schnäppchenpreis.

In Österreich zahlten die Mobilfunkbetreiber jeweils umgerechnet zwischen 120 und 171 Millionen Euro, in Deutschland jeweils umgerechnet über acht Milliarden Euro. Pro Kopf der Bevölkerung gaben damit die Mobilfunkbetreiber in Österreich für alle Lizenzen 100 Euro aus, ihre deutschen Kollegen 620 Euro pro Einwohner.

Der Unterschied in den hohen Anfangsinvestitionen macht sich bis heute bemerkbar – beim schnellen Datenfunk in den UMTS-Netzen marschiert Österreich seither an der Spitze Europas, die Netze sind gut ausgebaut, die Datentarife sind preiswert. Was man an Lizenzgebühren sparte, konnte man in den Netzausbau stecken; der Zugang zum Internet per
UMTS-Mobilfunk wird von den Österreichern heute als gleichwertige Alternative zum Internetanschluss per Festnetz betrachtet. Seit der Aufrüstung von UMTS mit den Datenfunktechniken  HSPA werben die Netzbetreiber ausdrücklich für den Mobilfunk als Alternative zum fixen Internetanschluss.

September 2002: Es gibt ein UMTS-Netz! Aber keine UMTS-Handys…

Im September 2002 verkündete A1, damals noch Mobilkom Austria, den Start des ersten europäischen UMTS-Netzes – mit einer Netzabdeckung von 25 Prozent der Bevölkerung, versorgt wurden alle Landeshauptstädte mit Ausnahme Salzburgs. Man wollte damit, so ein Unternehmens-sprecher „Österreich als Innovationsland Nummer Eins positionieren“.

Allerdings gab es noch keine UMTS-Handys, wie der damalige Generaldirektor von Mobilkom Austria, Boris Nemsic einräumte: „Unser Netz ist für die kommerziellen UMTS Handys bereit, die in drei bis sechs Monaten von den Endgeräteherstellern auf den Markt gebracht werden. Wir laden die Hersteller ein, ihre Geräte in unserem Netz, das ja bereits voll funktionstauglich ist, zu testen.” Immerhin identifizierte das Unternehmen schon einmal die künftige Zielgruppe, die UMTS als erstes nutzen würde:  Männlich, bis 45 Jahre alt, Firmeninhaber, Freiberufler oder leitender Angestellter, ein Notebook-Besitzer, der oft auf Geschäftsreisen unterwegs ist.

Im April 2003 konnte man dann das erste UMTS-Handy präsentieren. Und damit begann auch für die Mobilkom-Austria-Kunden die Ära der dritten Mobilfunkgeneration. Mobilkom hatte nun eine Netzabdeckung von 42 Prozent und bot eine Download-Geschwindigkeit von 384 Kilobit pro Sekunde (Kbit/s). Rund 1000 Basisstationen wurden errichtet und bis zu diesem Zeitpunkt in den Aufbau insgesamt 72 Millionen Euro investiert.

Im Juni 2005 konnte Mobilkom Austria mit UMTS eine Abdeckung von 62 Prozent erreichen. Gleichzeitig rüstete das Unternehmen massiv mit EDGE auf (Geschwindigkeit bis zu 200 Kbit/s) um auch den ländlichen Regionen einen flotten Datenfunk zu präsentieren; mit UMTS und EDGE kam man auf insgesamt 97 Prozent Netzabdeckung. Im September gab es die erste Datenkarte für die beiden Techniken, die Vodafone Mobile Connect Card UMTS+EDGE, die auf HSDPA erweiterbar war. Ende Jänner 2006 konnten Kunden  in einigen Teilen Wiens dann schon mit HSDPA und 1,8 Mbit/s surfen.

T-Mobile: Kaltstart mit UMTS – keine Werbung fürs Netz

Im Dezember 2003 ging T-Mobile Austria mit seinem UMTS-Netz an den Start. Doch man wollte erst mal keine große Werbung dafür machen – es fehle noch an den Geräten, die dem Kunden einen ordentlichen Nutzen im UMTS-Netz verschafften, so erklärte ein T-Mobile-Sprecher. Immerhin 37 Prozent Netzabdeckung – gemessen an der Bevölkerung -  erreichte T-Mobile, man konzentrierte sich auf die Ballungsregionen Wien, Linz, Graz, Innsbruck, Eisenstadt, Klagenfurt, St. Pölten und einige größere Städte wie Villach (Kärnten) Wiener Neudorf (Niederösterreich), Zwettl (Niederösterreich), Bruck an der Mur (Steiermark) oder Hall in Tirol. Angeboten wurden Geschwindigkeiten von bis zu 384 Kbit/s beim Herunterladen.

Im März 2004 lag T-Mobile beim UMTS-Netzausbau bei 40 Prozent. Ab Mai 2005 wurde UMTS aktiv als mobiler Datenfunk vermarktet, T-Mobile Austria bot zuerst nur großen und mittleren Unternehmen die Multimedia Net Card GPRS/UMTS für einen - damals schnellen - mobilen Internet-Zugang an.  Im Juni wurde das Datentarif-Angebot auf alle Kunden ausgeweitet. Im November kündigte das Unternehmen an, den UMTS-Zugang zum Internet nun auch als Alternative für das Surfen daheim zu vermarkten – man suchte die Konkurrenz zu stationären Anbietern. Im Oktober erklärte ein Unternehmenssprecher, das UMTS-Netz sei „flächendeckend in ganz Österreich ausgebaut, inzwischen sind alle Orte ab 4000 Einwohnern mit UMTS-versorgt“. Im November gab es die erste HSDPA-Datenkarte bei T-Mobile Austria.

Statt per Kabel mobil ins Internet

Ebenfalls zum 30. Dezember 2003 startete die heutige Orange, damals noch unter dem Firmennamen One am Markt, ihr UMTS-Netz – „mit einer Netzabdeckung von deutlich mehr als 25 Prozent“ wie es in einer Presseerklärung hieß. UMTS gab es „etwa in Wien, Graz, Klagenfurt, Innsbruck, Dornbirn, Eisenstadt und St. Pölten“ so teilte das Unternehmen mit. Angeboten wurden 144 Kilobit pro Sekunde beim Herunterladen von Daten, UMTS-SIM-Karten und UMTS-fähige Handys gab es in ausgewählten firmeneigenen Läden. Im Oktober 2004 gab es dann zwei UMTS-Datenkarten-Tarife.

Im Juni 2006 hatte Orange -  immer noch unter dem Namen One – 62 Prozent Netzabdeckung in Österreich erreicht – und sah sich mit diesem Wert als bester Anbieter Österreichs im UMTS-Bereich. So ging man an den Ausbau des schnellen Datenfunks und startete am 14. Juni im ersten Wiener Bezirk HSDPA – mit einer Geschwindigkeit von 1,8 Megabit pro Sekunde beim Herunterladen von Daten. Beim Senden wurden per UMTS 384 Kilobit pro Sekunde angeboten.

Drei setzt von Anfang an nur auf UMTS

Seit 5. Mai 2003 bietet Hutchison 3G Austria unter der Marke „Drei“ in Österreich seine Mobilfunkdienste an. Drei betreibt derzeit ein reines UMTS/HSDPA-Netz, das UMTS-Netz startete Anfang Mai 2003. Im Juli 2006 wird das UMTS-Netz von Drei vollständig auf HSDPA aufgerüstet.

Derzeit  bietet Drei – eigenen Angaben zufolge - mit 94 Prozent die größte UMTS-Netzabdeckung Österreichs. Damit stehe mobiler Breitbandzugang nicht nur im städtischen Raum, sondern auch in den ländlichen Gebieten zur Verfügung. Jetzt will Drei das UMTS-Netz vollständig auf das noch schneller HSPA+ mit bis zu 42 Mbit/s aufrüsten.